«Zelte sind besser als keine Lösung»

9 Tonnen Material, 10 Soldaten, unzählige Journalisten und viele neugierige Blicke: In Lyss hat der Aufbau der Zeltstadt begonnen. Bis zu 250 Asylsuchende finden dort ein Bett.

«Sicher sind Zelte nicht das Optimale. Aber eine schlechte Lösung ist besser als gar keine Lösung», sagt Iris Rivas, Leiterin des Migrationsdienstes.

Wenn der Schnee kommt

Flink packen die zehn jungen Durchdiener die Kisten aus, routiniert montieren sie Stangen und Blachen, schlagen mit schweren Hämmern die Heringe ein, kleben die Plastikfenster zu, spannen Schnüre. Neun Tonnen Material werden für die zehn Armeezelte benötigt. Die Soldaten wurden am Montag über ihre Mission informiert und haben seither in der Kaserne Bremgarten AG geübt, wie ein Armeezelt korrekt aufzustellen ist. Wichtig bei der Arbeit:?Schutzhelme. Sie sind grasgrün.

Ein weisses Schild hängt im Innern des Zeltes neben dem Eingang. «Bei Schneefall ist der Schnee laufend vom Dach wegzuräumen!» steht da. Auch wenn es jetzt noch heiss wird im 30 Quadratmeter grossen Zelt: Der Herbst steht vor der Tür. Die Asylsuchenden werden während drei Monaten diese Notlösung nutzen – da ist Schnee ein mögliches Szenario. «Deshalb werden die Zelte geheizt», verspricht Rivas.

Wenn es schnell gehen muss

Im Zelt riecht es an diesem Morgen genau so, als würde es am Meer oder an einem Open Air stehen. Auch das wird sich ändern, werden doch in Spitzenzeiten bis zu 25 Männer in einem Zelt schlafen. Nicht in Feldbetten, sondern in richtigen Kajütenbetten. Jedem der Männer, hauptsächlich Eritreer, stehen ein Bett, ein Schrank sowie ein abschliessbares Fach in einem Kühlschrank zur Verfügung.

Die Zeltstadt wird bis zum Freitag stehen, nächste Woche folgen dann noch die drei Container: je einer für WCs, Duschen und eine Küche. Den Strom bezieht die Zeltstadt von der Gemeinde Lyss, Aggregate müssen keine aufgestellt werden.

Die Betriebsorganisation «Asyl Biel & Region» wird die Betten sowie weiteres Material aus anderen Zentren oder ihrem Lager holen. Was es nicht gibt, wird gekauft, die Kühlschränke zum Beispiel, wie der stellvertretende Leiter Ashti Amir sagt. «Alles musste sehr schnell gehen, die Zeit war knapp. Doch nun ist alles Material bestellt.»

Für die Finanzierung des Aufbaus und des Betriebs der Zelte in Kappelen hat der Regierungsrat einen zusätzlichen Kredit von einer Million Franken gesprochen. Er wird beansprucht, falls die Bundessubventionen nicht ausreichen.

Wenn es Lösungen braucht

Kappelen-Lyss ist der einzige Standort im Kanton Bern, wo Armeezelte aufgebaut werden. Das Konzept wurde aus dem Kanton Aargau übernommen. Als «befristete Notlösung», als «Überlaufbecken» bezeichnet Iris Rivas die Zeltstadt.

Nach zwei Stunden haben die Soldaten alles Material ausgeräumt, das erste Zelt steht. Nun steht das Mittagessen auf dem Programm. Und die Asylsuchenden aus dem Durchgangszentrum stehen noch immer am Rand.

Quelle: «Zelte sind besser als keine Lösung»

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