Die Kunst Russland an allem die Schuld zu geben: Die Nationale Unsicherheit der USA

us-russia-new-cold-war

Für die amerikanischen Linken ist Russland ein neo- faschistisches, gewalttätig nationalistisches Land, welches skrupellos Minderheiten unterdrückt, besonders Homosexuelle. Für die amerikanischen Rechten ist Putin die Wiederkehr Stalins, der an der weltweiten Zersetzung der guten alt-altmodischen amerikanischen Werte arbeitet.

Gänzlich auf Linie mit dem letzteren Narrativ hat ein gewisser Christian Gomez kürzlich einen Artikel auf der Webseite The New American veröffentlicht, dem Flagschiff der John Birch Society. Dort wurde vermeintlich aufgedeckt, dass die russische Regierung die wahre Macht hinter der ISIS-Terroristen-Gruppe ist und auch hinter den Terroranschlägen von Paris steckt. Die Quelle dieser “Enthüllung“ ist ein einzelner, angeblicher und ungenannter “Überläufer“ des FSB, Russlands Sicherheitsdienst, der über diese angeblichen Geheimnisse im ukrainischen Fernsehen gesprochen hat – ein Sprachrohr für die von Washington gedeckte Staatsstreich-Junta in Kiew, die niemals eine Gelegenheit verpasst alles Russische zu verleumden.

Derartige Anschuldigungen sind in ihrer Aufmachung absurd. Es gibt keinerlei Indizien, die nahelegen – geschweige denn beweisen – könnten, dass der russische Geheimdienst irgendwie an der Formierung des ISIS beteiligt war. Warum Russland eine terroristische Organisation unterstützen würde, die versucht seinen engen und verlässlichen Verbündeten Bashar al-Assad in Syrien zu stürzen, wird weder von dem falschen Überläufer noch von seinen amerikanischen Champions bei der John Birch Society erklärt oder analysiert.

Nicht einmal westliche Mainstream-Medien versuchen noch ernsthaft die Tatsache zu verbergen, dass Amerikas regionale Verbündete die Quelle des Aufbaus und der Unterstützung von ISIS sind und nicht Russland. Länder wie Saudi Arabien, die Türkei und selbst Israel haben bei der Finanzierung, Bewaffnung und Ermächtigung des ISIS, der Al-Nusra-Front und anderen vergleichbaren dschihadistischen Fraktionen im Irak und in Syrien eine signifikante Rolle gespielt.

Amerika selbst ist gewiss in einer weit besseren Position der Unterstützung des ISIS beschuldigt zu werden. Gemäß Washingtons eigener Defense Intelligence Agency (DIA) wusste die amerikanische Regierung von Anfang an von der Unterstützung des “Arabischen Frühlings“ in Syrien und dass die gewaltsamen Aufstände gegen Bashar al-Assad hauptsächlich von widerlichen, grausamen islamistischen Fraktionen durchgeführt wurden, darunter die Muslim-Bruderschaft und Sympathisanten von Al-Kaida, und es wurde sogar vorausgesagt, dass diese Fraktionen im Fall der Machtübernahme ein salafistisches “Fürstentum“ errichten wollten.

Derweil war Russlands Präsident Wladimir Putin in seiner Unterstützung für Bashar al-Assad unerschütterlich und ging zuletzt so weit, das syrische Militär aus der Luft bei ihrem Versuch zu unterstützen, das Land von ISIS und anderen Terror-Brigaden zurückzuerobern. Dieses Unterfangen hat Putin sogar noch mehr irrationalen Hass in den westlichen Medien und im politischen Establishment beschert, welches den Dschihadisten zujubelt, während sie sich ihren Weg durch Syrien plündern und brandschatzen.

Woher kommen also diese grotesken Anschuldigungen gegen Russland? Der falsche Überläufer, der Russland die Verantwortung für ISIS ankreidet, ist offensichtlich ein Handlanger der ukrainischen Satrapen Langleys, aber seine absurde Verschwörungstheorie findet im Westen trotzdem seine Anhänger, besonders unter den sogenannten amerikanischen Konservativen und “Patrioten“, denn es passt zu einem viel älteren Narrativ, welches bis in den Kalten Krieg zurückreicht.

Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs propagierten Figuren wie W. Cleon Skousen, ein ehemaliger FBI-Agent und Mitglied der John Birch Society, und der opportunistische sowjetische KGB-Überläufer Anatoli Golizyn das Narrativ, dass die Sowjetunion nicht einfach nur ein geopolitischer Rivale der Vereinten Staaten sei, sondern höchst erfolgreich bei ihrem Versuch sei, die amerikanische Demokratie zu unterlaufen und sie durch eine kommunistische Gesellschaft zu ersetzen. Golizyn und Cleon Skousens Neffe, Joel Skousen, sind gar so weit gegangen zu behaupten, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion eine clevere List war, um Amerika und den Westen in falscher Sicherheit zu wiegen, damit die “kommunistische Agenda“ wie gehabt fortgesetzt werden kann.

Zufällig passt diese unverifizierbare Verschwörungstheorie bestens zu den Randelementen der amerikanischen “Patrioten“-Bewegung und vieler christlicher Dispensationalisten, die in Russland das biblische “Gog und Magogg“ sehen, bereit den Staat Israel zu verschlingen. Es bietet auch einen praktischen Sündenbock für die amerikanischen Konservativen, die unfähig oder unwillens sind die wahren Übeltäter hinter dem sozialen Chaos in ihrem Land zu erkennen – und zu erkennen, dass ihr Land die primäre Quelle sowohl geopolitischer, als auch kultureller Zersetzung im Ausland ist.

Der kommunistische Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft und Kultur während der Ära des Kalten Kriegs sollte nicht gänzlich unberücksichtigt gelassen werden. Tatsächlich hat die neo-marxistische Frankfurter Schule, wenn auch oft übertrieben, gewiss ihre Spuren bei der Dekonstruktion traditioneller Institutionen im Westen hinterlassen.

Aber von anti-kommunistischen Verschwörungstheoretikern wird oft die Realität übersehen, dass kulturelle Bolschewiken wie Herbert Marcuse und Theodor Adorno ihre Marsch-Order nicht aus Moskau bekamen, eine Macht welche von ihnen verachtet wurde, sondern dass sie Agenten westlicher Eliten und ihrer Geheimdienst-Apparate waren, insbesondere des U.S. Office of Strategic Services (OSS), dem Vorläufer der CIA.

Auch wurde der Bolschewismus der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts nicht auf russischem Boden geboren, sondern der Diktatur des Proletariats wurde bei ihrem Aufstieg von Oligarchen in New York und London geholfen.

Darüber hinaus ist es unmöglich irgendwelche Beweise dafür zu finden, dass Russland irgendeinen signifikanten sozialen, ökonomischen oder politischen Einfluss auf Amerika ausgeübt hat oder darauf hinarbeitete, Amerika in ein “Paradies sozialistischer Arbeiter“ zu verwandeln. Ganz im Gegenteil, was die Russen in Amerika an Einfluss gehabt haben, ging in Wirklichkeit in Richtung christlicher Konservativer, die den Wunsch hatten die traditionelle Familie und andere gesellschaftliche Werte aufrechtzuerhalten.

Während die Neokonservativen und ihre nützlichen Idioten unter den amerikanischen “Patrioten“ Präsident Putin zynisch als einen sowjetischen Rückwärtsgewandten und Tom Clancy-Bösewicht ablehnen, betreibt der Kreml weder zuhause noch im Ausland eine kommunistische Politik. Dagegen ist die russische Orthodoxie langsam aber sicher als Teil des russischen Lebens zurückgekehrt und der russische Patriotismus hat keinen Bedarf an marxistischer Rhetorik über Arbeiter-Revolutionen oder der Diktatur des Proletariats.

Anstatt auf langweilige von der CIA ausgeheckte Kalter-Krieg-Narrative und der Tarnung liberalen Imperialismus‘, sollten aufrichtige Konservative und “Patrioten“ in Amerika ihren Blick besser auf den sowjetischen Dissidenten, russischen Patrioten und devoten Christen Alexander Solschenizyn richten – ein Mann, der erheblich weiser ist, als jeder “FSB-Überläufer“.

Solschenizyn sah in Putins Führerschaft eine positive, stabilisierende Rolle, während die russische Kultur und Identität wieder auflebte und es war Solschenizyn der erkannte, dass die “Euro-Atlantische Allianz“ der Motor für den “Niedergang der christlichen Zivilisation“ ist. Derweil sinkt der Westen weiter in sein Trugbild Babylons ab und seine spirituell blinden “Verfechter“ werden jedem und allem dafür die Schuld geben, nur nicht sich selbst.

Übersetzung aus dem Englischen vom Nachtwächter

Der englischsprachige Original-Beitrag

Das könnte dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.