Wie die USA von der selbstgemachten Zinswende profitieren und die Welt regieren

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Sieben ruhige Jahre US-Nullzins gehen zu Ende

Es ist geschafft, Janet Yellen und das Entscheider-Team der Federal Reserve Bank der USA haben am Mittwoch, den 16.12.2015, die US-Leitzinsen angehoben. Ein historischer Moment nach sieben Jahren „Krisenmodus“, kehrt jetzt die Normalität an den Rentenmärkten ein?

Die Entscheidung war eindeutig, mit 10 zu 0 stimmt das Federal Open Market Committee (kurz FOMC) für eine Erhöhung der Fed Funds Rate um 0,25%. Die Spanne, in der sich die Fed Fund Rate nun bewegt, beträgt zwischen 0,25% und 0,50%.

DIE WENDE

Das Wort „Zinswende“ war in aller Munde und das ist es auch. Die US-Notenbank läutet eine Änderung der Marschrichtung der US-Zinsen ein. Es geht nach oben mit dem Preis des US-Dollars und ein Teil des Rests der Welt wird wohl mitziehen. Ob er will oder nicht.

Taktische Schritte

Das Wort „Wende“ sollte daher nicht unterschätzt werden. Wir Deutschen wissen was es mit „WENDE“ auf sich hat. Das kann durchaus schmerzhaft verlaufen. Das, was Janet Yellen & Co beschlossen haben kann historisch wichtig werden, denn es kann sich um einen Prozeß und eine Entwicklung handeln, die über Jahre ausgelegt ist und anhält. Ein erster Schritt wurde getan.

Kann es noch mehr Zinserhöhung werden?

„Die Wende“, das darf ruhig etwas mehr sein. Fed-Vertreter sehen im Mittel die Fed FundsEnde 2016 bei 1,375%, Ende 2017 bei 2,375% und Ende 2018 bei 3,25%.  Man hat sich also einiges vorgenommen. Da lassen sich durchaus mehr als 0,25% Zinserhöhung pro Quartal ableiten, wenn man die Werte als Mittelwerte übers Jahr betrachtet. Das ist ein strammer Kurs nach oben, hat das noch niemand so richtig bemerkt?

Jetzt ist es eindeutig – jetzt ist es Zeit

Man kann natürlich sagen das war eine Eintagsfliege und Janet Yellen könnte die Leitzinsen wieder senken. Schon richtig, nur macht das Sinn? Dann hätte man gleich alles beim Alten lassen können. Seit Dezember 2008 waren die Fed Funds bei 0%. Das ist eine lange Zeit in der man den Zustand hätte herbeiführen können, den man jetzt hat. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt bzw. die nächsten Schritte, die Zinsen sollen “schrittweise” erhöht werden. Mögen die Äußerungen von FOMC-Mitgliedern auch noch so taubenhaft sein. Das Abstimmungsergebnis war eindeutig.

Management der Erwartungen

Würde man den Rückwärtsgang einlegen wollen hätte man auf die Veröffentlichung der Schätzungen für die Jahre 2016 bis 2018 in dieser Form einfach verzichtet. Da man das nicht getan hat darf die Veröffentlichung als eindeutiges Siganl verstanden werden. Die Steuerung der Zinsen ist pure Marktpsychologie und die Hellhörigen verstehen durchaus. Ich würde sagen, ein großer Teil der Marktteilnehmer nimmt die Aussagen als Information auf, läßt sich aber durch die Unterbewusstseins-Hintertür führen. Im Ergebnis sollenZinserhöhungsmaßnahmen bis mindestens Ende 2018 erwartet werden. Die FED wird bemüht sein diese nicht zu enttäuschen. Auf diese Art und Weise läuft es.

Der Hund läuft dem Herrn voraus

In den vergangenen zwei Wochen war bei 2jährigen über 5jährige hin zu 10jährigen US-Staatsanleihen relativ wenig Bewegung in den Renditen. Ganz klar, da war die Zinserhöhung vom letzten Mittwoch schon drin. Die Renditen waren vorgelaufen (fast wie ein Hund der auf seinen Herrn wartet), die FED hat nachgezogen und jetzt gilt es neue Signale zu setzen. Die US-Zentralbank hat das Zinsruder fest in der Hand und jetzt sogar das Timing.

Die Maßnahmen

Wenn man die Zinsen (den Hund) wieder vorlaufen lassen will werden entsprechende Äußerungen bekannter und einflußreicher Persönlichkeiten und Experten zur Wirtschaftsentwicklung und Zinspolitik unter die Marktteilnehmer gebracht oder gestreut. Die eine oder andere regelmäßig veröffentlichte Konjunkturzahl oder ein außergewöhnliches Ereignis tut dasselbige. An den Zinsfuturesmärkten erfolgt die zeitgleiche Umsetzung. Wobei die FED jetzt schon in etwa wissen dürfte wie sich die US-Wirtschaft entwickelt. Aufgrund der Zinsschätzungen werden wir interessante Dinge wahrnehmen.

Damit geht das Zinsrennen in die zweite Runde

Die aktuellen Startrenditen per 18.12.15 betragen 1,00% bei 2jährigen, 1,74% bei 5jährigen und 2,28% bei 10jährigen US-Treasuries. Die praktische Umsetzung ist leicht erklärt. Dazu sollte dem Beobachter nur klar sein, daß die FED immer mit einer Zinsentscheidung nachziehen wird. Die Zinsmärkte und Zinssätze/Renditen werden also durch verbale Äußerungen von Experten, veröffentlichte Konjunkturzahlen oder anderen zinsrelevanten Faktoren beeinflußt. Dann gehen die Kurse der Zinsterminkontrakte zurück, die Renditen steigen und die FED zieht bestätigenderweise nach, denn die Fundamentaldaten sprechen für sich.

Abschluss der Zinserhöhungsmaßnahmen

Die Zinserhöhungsbewegung dürfte dann abgeschlossen sein, wenn die Zinsstrukturkurve „invers“ ist. Der Wort „invers“ klingt etwas verwirrend ist aber einfach zu interpretieren.Die kurzfristigen Zinsen sind höher als die langfristigen Zinsen. In diesem Falle liegt z.B. eine inverse Zinsstrukturkurve vor, wenn die 2jährigen Renditen über den 10jährigen Renditen notieren. Im Endergebnis könnte das so aussehen: 2jährige US-Treasuries bei 7,5% Rendite, 10jährige bei 6% und 5jährige etwa in der Mitte bei 6,7%. Im Moment sind wir bei 1,0% bei 2jährigen und 2,28% bei 10jährigen. Das wäre ein Normalzustand.

Der lange Weg des „Flachen Pfades“

Die Erwartung eines „flachen Zinspfades“ ist etwas für Leute mit Humor. Vielleicht hat Alan Greenspan mitformuliert? Was ist damit gemeint? Das ist ein dehnbarer Begriff. Eine Zinsstrukturkurve kann durchaus flach sein wenn 1jährige Papiere 11% Rendite und 10jährige 10,5% Rendite bringen. Das Niveau wäre anspruchsvoll hoch. Im umgekehrten Fall geht es auch, wenn 1jährige Papiere Null Prozent bringen und 10jährige 0,5%. Das wäre anspruchsvoll niedrig. Die Differenz ist gering, daher spricht man von einer “flachen Zinsstrukturkurve”. Lassen wir uns also überraschen wie flach “der Zinspfad” werden wird, was damit in der Praxis gemeint ist und wie steil die Zinsstrukturkurve aussehen kann?

Wiederbelebungsmaßnahmen

Nebenbei: höhere Zinsen könnten auch eine Wiederbelegungsmaßnahme für eingetrocknete Geldmärkte sein, sofern Vertrauen unter den teilnehmenden Partnern, also den Banken, herrscht.

Bei den Kursverlusten könnte es holprig werden

So wie sich das die FOMC-Mitglieder vielleicht denken, würden die Kurse der festverzinslichen Papiere in einer Art linearen Verfahren über den genannten Zeitraum zurückgehen. Die längere Zeitdauer könnte einen Kurspuffer darstellen. Das sollte wohl mäßig und kursschonend vonstatten gehen. Wird es aber nicht ganz, das dürfte allen klar sein. Aber dieses Risiko geht man ein.

Geopolitische Gedankenspielereien

Ich sehe die US-Zinsmaßnahmen auch unter geopolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten die nur einem nützen: den USA. Für die USA hat der 2. Weltkrieg nie so richtig aufgehört und im Moment haben sie viele Fronten. Die USA experimentieren gern herum, selbst die Beeinflussung des Wetters ist eine Kriegswaffe. Manches Erdbeben und mancher Tsunami und dessen Auswirkungen an Küsten mit AKWs waren auch recht merkwürdig in der Vergangenheit. Die Steuerung des Geldpreises und der Geldflüsse gehört schon eher ins Standardrepertoire des Waffeneinsatzes. Man muß nur eine Verbindung schaffen zwischen Geldpreis (Zins), äußerem Geldwert (Devisen) und einem wichtigen Rohstoff (Öl). Die Kombination der drei Geschütze oder der einzelne Einsatz geht wohlüberlegt von statten.

Quelle: DER BONDAFFE

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