„Der böse Russe“ – Russland als Feindbild, Geschichte einer Dämonisierung

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Es ist schon erstaunlich, welche Dauerhaftigkeit politische Feindbilder über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte haben können, selbst wenn sich gesellschaftspolitische Verhältnisse in diesen Zeiträumen in den jeweiligen Ländern oder Regionen grundlegend gewandelt haben. Exemplarisch kann man das am deutschen Russland-Bild nachzeichnen. Aus Anlass des 75. Jahrestages des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion.

Wenn man sich die Funktion von Feindbildern und ihre Instrumentalisierung im ideologischen Konzept der jeweils herrschenden Klassen vor Augen führt, dann wird deutlich, dass innerhalb dieses Konstruktes der Russophobie verschiedene Elemente der ideologischen Begründung zusammenkommen bzw. sich überlagern. Für die Ideologie der Alldeutschen Kräfte und noch ausgeprägter die NSDAP galt die Ideologie des „Volk ohne Raum“, für das Entwicklungspotentiale in der „russischen Weite“ zu finden seien. Mit der zunehmenden Bedeutung der Rohstoffpotenziale in der Ukraine und im Kaukasus verlagerte sich das Interesse in südöstlicher Richtung, aber immer mit der Maßgabe, dass Russland der „natürliche“ Expansionsraum imperialistischer Politik sei.

Die Tatsache, dass unmittelbar nach dem Ende des Krieges mit dem sich entwickelnden Kalten Krieg in einem Teil Deutschlands die Besatzungsmächte an genau diese antisowjetischen russo­phoben Vorurteile anknüpften, ließ kein wirkliches Umdenken bei einem Großteil der Bevölkerung zu. Das Ziel der westlichen Seite war die Sowjetunion als Kriegstreiber vorzuführen, um damit alles zu begründen, was gegen die Russen ging: Hetze, Handelsboykott und Hochrüstung, Aggression und Verleumdung. Erst im Rahmen der Entspannungspolitik, dem „Moskauer Vertrag“, begann sich ein realistischeres Bild der Sowjetunion und „der Russen“ in der westdeutschen Gesellschaft durchzusetzen. In der DDR wurde dieser Prozess staatlicherseits vorangetrieben, wobei mit der politischen und wirtschaftlichen Integration der DDR in RGW und Warschauer Vertrag die materiellen Grundlagen und mit der öffentlichen Benennung der sowjetischen Vertreter als „Freunde“ und der Verbreitung russischer und sowjetischer Kultur im öffentlichen Raum eine Möglichkeit des Umdenkens geschaffen wurde.

In der Ära Jelzin ging es den imperialistischen Hauptmächten darum, Russland in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht „in die Knie zu zwingen“. Als jedoch in der ersten Ära Putin eine Phase der Stabilisierung gelang, wurde das Feindbild Russland wieder massiv reaktiviert. Man die vielfältigen ideologischen, wirtschaftlichen und politischen Versuche einer Destabilisierung Russlands zu erreichen – unter Einschluss von Oligarchen und der „Zivilgesellschaft“ betrachten. Trotz aller Anstrengungen blieb dieser Strategie eines direkten „Regime changes“ der Erfolg versagt. Daraufhin setzten die USA, die EU und die deutsche Politik an der Peripherie Russlands an.  Am Beispiel der Ukraine kann man es nachzeichnen. Hier war man – vor dem Hintergrund des Feindbildes Russland – bereit, ex­trem nationalistische Kräfte und offene Faschisten an die Regierung zu bringen und sie, als eine Art Stellvertreterkrieg gegen Russland in Stellung zu bringen Die Folgen für das Ukrainische Volk sehen wir heute immer noch.

Die Auswirkungen, auch des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Sanktionsregimes der EU gegen Russland im Gefolge der Aufnahme der Krim in die russische Föderation zeigt auf, dass man für den politischen Druck selbst kurzfristige Profitinteressen auf dem russischen Markt zurückstellt – in der Erwartung, dass eine Destabilisierung der politischen Herrschaft in Russland langfristig mehr Möglichkeiten eröffnet – insbesondere in der „großen Schlacht um Öl und Gas“. Dabei werden auch auf konzentrische Angriffe der Mainstream-Medien auf Russland und den russischen Präsidenten – „die Inkarnation des Bösen“ nicht verzichtet. Die Antworten russischer Medien werden im Westen medial wiederum als Ausdruck „russischen Großmachtdenkens“ bezeichnet, dem – entsprechend dem alten und neuen Feindbild – mit allen Mitteln entgegengetreten werden müsse. Und so schließt sich der Kreis: Das Feindbild Russland bzw. „der Russe“ wird durch Politik und Mainstream-Medien gehegt und gepflegt.
Als ambivalente Konsequenzen dieser Russophobie für Russland selber und für die russischen Gemeinschaften in den ehemaligen Sowjetrepubliken konstatiert werden so dass die Konflikte mit der EU und den USA zunehmend nationalistisch und ethnisch überlagert werden. Intellektuelle und Politiker, aber auch einfache Bürger orientieren sich zunehmend an einem „starken Staat“ „russischer Identität“, der sich im „eurasischen Kulturkreis“ verortet. Dies wird zunehmend auf eine Abschottung von europäischen Kontakten hinauslaufen.

Die Konsolidierung Russlands unter Putin ist denjenigen im Westen, die dieses Land als wichtigen Faktor der Weltpolitik beseitigt sehen wollen, ein Dorn im Auge. Sie fordern einen scharfen Kurswechsel in der Russland Politik „des Westens“.

Quelle:

Hannes Hofbauer: Feindbild Russland, Geschichte einer Dämonisierung,

Stefan Bollinger: Meinst du, die Russen wollen Krieg? Über deutsche Hysterie und ihre Ursachen.

Querverweis:

Über das beliebte Feindbild der Bundesregierung Russland und die Kriege des Terrorstaates USA

https://youtu.be/vmxW8LU1ukg

„Der böse Russe“ – Ein Feindbild und seine Geschichte

https://youtu.be/BplcU-pd5as

Quelle: Beitrag vom Peter, Uru-Guru

Titelbild: Photobucket

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