Was hat das neue transatlantische Finanzkartell mit dem Lufthansa-Pilotenstreik zu tun?

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Zwischen Kundenwut und Kursverfall erfährt man wenig über Hintergründe

Im Fernsehen werden wir bald wieder leere Flughafenhallen und Anzeigetafeln mit Flugstornierungen sehen, dann wütende Fluggäste und ein paar Berichte zu gescheiterten Verhandlungen über Löhne und Renten, vielleicht noch eine Anmerkung zum gesunkenen Aktienkurs der Firma. Doch was hinter dem allgemeinen Drang der Firmenchefs zu – oft trotz guter Gewinne – immer schlechterer Bezahlung der Belegschaft steckt, erfahren wir auch bei diesem Streik nicht.

Von den etwa 120.000 Bediensteten der Lufthansa haben die Piloten noch am ehesten die Möglichkeit, der Geschäftsführung Paroli zu bieten. Ohne ihre Arbeitskraft geht gar nichts in der Branche. Streiks bei Fluggesellschaften sind auch aussichtsreicher als in vielen anderen Bereichen, wo die auf breiter Front betriebene Lohndrückerei daher mehr im Verborgenen stattfindet. Explodierende Einkommen der obersten 1% bei stagnierenden und sinkenden Löhnen der arbeitenden Bevölkerung haben aber einen Grund: die wachsende Macht des Finanzsektors.

Große Firmen wie die Lufthansa gehören heute meist Banken und Schattenbanken, wobei die Banken sich ebenfalls im Besitz der Schattenbanken befinden bzw. ein absichtsvoll dunkles Dickicht gegenseitiger Kapitaldurchdringung organisiert wurde. Die größte Schattenbank ist Blackrock mit einem verwalteten Vermögen von ca. fünf Billionen Dollar, kleinere Player im Big Game um die globale Finanzmacht heißen Vanguard, AXA, State Street, Fidelity oder JP Morgan Chase.

Blackrock ist heute Aktionär oder Hauptaktionär in allen 30 Dax-Unternehmen, der Aufsichtsratschef der deutschen Blackrock-Filiale heißt Friedrich Merz (CDU). Als CDU-Finanzpolitiker war Wirtschaftsanwalt Merz verantwortlich für die Deregulierung der deutschen Bilanzierungsgesetze, jener Gesetze also, welche die Finanzmacht von Firmen wie Blackrock im Zaum halten sollten (vgl. Rügemer: Blackrock-Kapitalismus).

Großaktionäre wie Blackrock drängen heute die Geschäftsführer ihrer AGs, mehr Profit aus der Belegschaft herauszupressen. Im Fall der Lufthansa also, angemessene Lohnsteigerungen zu verhindern, per Outsourcing Lohnsenkungen durchzusetzen, Rentenansprüche zu streichen usw.

Dabei werden Dienstleistungen soweit möglich in den Billiglohnsektor ausgelagert, sogar Pilotengehälter können etwa bei Billigflugtöchtern abstürzen. Das steigert die Renditen. Wirtschaftsnahe Think Tanks liefern Medien und Öffentlichkeit eine vernebelnde Propaganda dazu (vgl. .IZA: Neoliberaler Think Tank unter Druck).

Die Firmenvorstände, angetrieben von Schattenbanken, geraten in Tarifverhandlungen immer öfter außer Rand und Band. Sie pokern immer höher, riskieren immer mehr und drohen ihren Angestellten sogar mit dem Untergang der Firma. Denn Blackrock kann noch besser verdienen, wenn Firmen pleite gehen.

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