Türkei: Putsch wurde von Saudi-Arabien organisiert und mit 3 Mrd. US-Dollar finanziert

Der türkische Journalist Mehmet Acet von der konservativen Tageszeitung Yeni Şafak wirft in einer Kolumne den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, den Putsch mitfinanziert zu haben.

Ankara / TP – Bis vor 5 oder 6 Monaten, war der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu ständiger gern gesehener Redner des alljährlich stattfindenden “Beyoğlu-Treffens“ in Istanbul. Bei der Veranstaltung kommen Politiker, Medienvertreter, Sportler und nahmhafte Personen des Öffentlichen Lebens zusammen, um über die gegenwärtige und zukünftige Türkei zu diskutieren.

Bei dem letzten Treffen schnitt Çavuşoğlu auch den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 an. Noch waren die Auswirkungen des Putschversuches zu spüren, die geladenen Gäste hörten gespannt mit, wie Çavuşoğlu sagte, dass der Putschversuch in der Türkei finanziell unterstützt wurde, von einem muslimischen Land.
Zugegen war damals beim Treffen auch der türkische Journalist Mehmet Acet von der konservativen Tageszeitung Yeni Şafak, der am Montag in einer Kolumne den Hergang der Aussage des türkischen Außenministers Çavuşoğlu wiedergibt, aber nun weitere Details nennt, die Monate später bekannt werden. So soll Çavuşoğlu damals erklärt haben, dass sie Wissen würden, welches „Land eine finanzielle Unterstützung von drei Milliarden US-Dollar für den Putschversuch in der Türkei zur Verfügung stellte und die Anstrengungen unternahm, die Regierung auf illegale Weise zu stürzen. Darüber hinaus ist es ein muslimisches Land.“

In der weiteren Rede ging jedoch Çavuşoğlu nicht weiter ins Detail ein, die anwesenden Gäste fragten sich nun, wer dieses muslimische Land sei, so Acer in der Kolumne. Die Antwort sollte Monate später während eines Iftar-Essens der amtierenden Regierungspartei AKP am vergangenem Freitag folgen. Diesmal schnitt laut Mehmet Acer der ebenfalls geladene türkische Staatspräsident Erdogan das Thema erneut an und richtete die Worte an jene, die sich über den 15. Juli gefreut haben sollen. Erdogan zufolge wisse man, wer in der Golfregion sich über den Putschversuch gefreut habe.
„Wenn manche Nachrichtdienste haben, so haben wir auch eine. Wer die Nacht wie verbracht hat, das Wissen wir genau. Was in der Türkei vorfällt, was da passiert, ob es ein Ende hat, ob es läuft, der Putsch zum Ziel führt oder nicht? Wer das verfolgt hat, jene kennen wir genau. Wie sie wieviel dafür ausgegeben haben, auch.“ sagte Erdogan während der Rede vor dem Iftar-Essen.

Laut Acer wisse die Regierung auch, wieviel und wofür das Geld verwendet wurde. Nach knapp 6 Monaten fügt sich Acer zufolge das Bild nach den Reden des türkischen Außenministers und des Staatspräsidenten. 3 Milliarden US-Dollar sollen dabei geflossen sein, damit der Putsch die amtierende Regierung stürzt, und auch das Land sei nun bekannt: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Die Vereinigten Arabischen Emirate standen erst vor wenigen Wochen erneut im Fokus eines britischen Nachrichtenportals und dem in Katar ansässigen Online-Nachrichtenportal Al-Jazeera – wir berichteten. Al-Jazeera berichtete Anfang Juni über geleakte e-mails des Botschafters der Vereinigten Arabischen Emirate, Yousef al-Otaiba. In den e-mails über die der britische Online-Nachrichtenportal „The Intercept“ zuvor berichtete, wird angedeutet, wie man die Macht Katars in der Region destabilisieren kann, einschließlich unter Mitwirkung von Journalisten aus den USA oder Europa. In dem Papier wird unter anderem erörtert, wie man Katar und Kuwait vorwerfen kann, Terrorismus zu unterstützen. Die e-mails wurden interessesanterweise eine Woche nach dem Hackerangriff auf Katar veröffentlicht. In den e-mails wird auch die Türkei und deren Rolle in Zusammenhang mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan erörtert.

Acer richtet in diesem Zusammenhang den Blick u.a. auf einen bestimmten Mann, David Hearst von der Middle East Eye. Vor der Krise zwischen Katar und den arabischen Nachbarländern soll Hearst insgesamt 14 Artikel veröffentlicht haben, u.a. in der Huffington Post, The Gurardian und in der Middle East Monitor. Acer erklärt sich das mit der Finanzierung solcher Artikel, also von bestellten Artikeln über Katar. Acer fragt nun, ob die Deutungshoheit über einen möglichen Umbruch bzw. Putsch in der Türkei ebenso mit finanzieller Unterstützung auf Umwegen über US-amerikanische Medien erfolgte, die dann rasent schnell über europäische Medien weltweit zerstreut wurden, um damit den Putsch zu legimitieren? Ein Blick auf die geleakten e-mails des VAE-Botschafters geben hierzu eine mögliche Erklärung.
Die Daily Sabah berichtet, dass der stellvertretende Koordinator der „Stiftung für politische Wirtschafts- und Sozialforschung“ mit Sitz in Ankara (SETA), Professor Muhittin Ataman, die Meinung teilt, dass die VAE bereits seit Beginn des Arabischen Frühlings entsprechende Versuche gegen die türkische Regierung unternommen hat, auch wenn diese wirtschaftliche und diplomatische Beeinträchtigungen für das Land bedeuten.

Erst jetzt wurde es klar, warum die Türkei die Sanktionen gegen Katar scharf kritisiert…

Quellen: AWDnews und TurkischPress

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